15.03.2016

Von: Monika Obieray

Resolution zum Freizeitangeln nördlich von Fehmarn: „Keine weiteren Einschränkungen für das Hochsee-Angeln an den ostholsteinischen Küsten“

Rede im Kreistag, Top 12


Die Grüne-Fraktion kann die Resolution mittragen.
In Übereinstimmung mit dem Umweltminister unseres Landes Schleswig-Holstein sagen wir, es ist richtig, das jetzt im Verordnungsentwurf der Bundes-Umweltministerin stehende komplette Verbot des Freizeitangelns im Naturschutzgebiet in Frage zu stellen.
Wir wollen Menschen, die als unsere Gäste vielleicht zweimal im Jahr in ihrem Urlaub mit einem Kutter auf die Ostsee fahren und sich beim Angeln den Wind um die Nase wehen lassen, nicht die Freude verderben.
Wir glauben auch, dass die meisten Gäste Verständnis dafür haben würden, wenn man ihnen erklärt, dass das Angeln vielleicht nicht an allen Orten und unbegrenzt möglich ist, wenn der Naturschutz es erfordert.
Und damit bin ich beim Punkt:

Uns Grünen geht es nicht um Verbote, sondern um das nachhaltige Erreichen der Schutzzwecke.
Mit der Schutzgebietsverordnung des Bundes sollen mehrere Schutzzwecke erfüllt und durch Managementpläne sichergestellt werden.
Es geht an dieser engen Stelle der Ostsee um den Wasseraustausch, der die ganze innere Ostsee am Leben hält. Wenn hier eine Verschlechterung stattfindet, leiden alle. Aber damit hat das Angeln nicht viel zu tun.
Weiter geht es um die artenreichen Riffe bis in 20 Meter Tiefe, die genau hier bei uns nördlich von Fehmarn ganz besonders sind. Ja, das Gebiet ist eine wichtige Schiff-Wasserstraße, eine der belebtesten der Welt. Und es ist gleichzeitig eine extrem bedeutende Wanderroute und hat eine wichtige Vernetzungsfunktion für unzählige Lebewesen von Fischlarven hin bis zu Schweinswalen. Viel Platz ist in dieser Meerenge nicht vorhanden. Wir haben den ganzen Winter über anschaulich mitverfolgen können, dass sich Wale hierher verirren und nicht wieder herausfinden. Aber auch das liegt nicht am Angeln.
Und schließlich geht es um die Wiederherstellung und die Erhaltung der Bestandsdichte von Schweinswalen und Seehunden und um die Fischbestände als Nahrungsquelle. Nördlich von Fehmarn liegt nun mal für alle ein extrem wichtiges Nahrungs-, Aufzucht- und Migrationshabitat. Da kommt die Hobbyfischerei doch ins Spiel.

Das Thünen-Institut für Hochseefischerei erforscht seit etlichen Jahren die Bedingungen an dieser Stelle und es stellt fest, dass es „bisher konstant gute Umweltbedingungen“ gibt. Das ist auch der Grund, weshalb wir diese Resolution mittragen können.
Aber: Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass der Nutzungsdruck sehr hoch ist: 50 000 Angel-Touristen in Heiligenhafen, noch mal 20 000 auf Fehmarn.
Die Bootsangler sind da noch gar nicht drin. Man schätzt, dass es 2,5-mal so viele sind.
Die Menge an Fisch, insbesondere Meerforellen und Dorsch, die hier zusammenkommen sind alles andere als klein: Das Thünen-Institut schätzt die jährliche Menge an Dorsch zwischen 34 und 70 Prozent der jährlichen Fangmenge der kommerziellen Fischerei. Diese Mengen werden bisher auf die Quoten gar nicht angerechnet. Wenn man es tun würde, wäre bei den kommerziellen Fischern ein Riesenaufstand.
Andererseits besteht diese Situation schon lange. Es gibt immer noch keine verlässlichen Zahlen zu den vorhandenen Gesamtmengen, weil die Fangmengen der Hobby-Angler sehr schwer zu erfassen sind. Bisher bestehen trotzdem insgesamt noch ganz gute Umweltbedingungen.

Deshalb sagen wir Grünen:
1. Wir wollen weitere Forschung und ein verantwortungsvolles Management in den Schutzgebieten. Natur und Eingriffe der Menschen verändern sich. Über den absurdesten Eingriff an dieser Stelle - die feste Beltquerung - will ich gar nicht anfangen zu reden.
2. Wir brauchen möglicherweise nach Gruppen differenzierte Fangquoten, die immer wieder neu bestimmt werden müssen.
3. Derzeit ist nicht erkennbar, was ein komplettes Verbot für die Schutzzwecke bringen könnte.

Deshalb wollen wir die Unsicherheiten nicht auf dem Rücken der Hobby-Angler austragen und stimmen der Resolution zu.

Kategorien:Umwelt & Verkehr
URL:http://gruene-fraktion-oh.de/aktuelles/aktuelles-volltext/article/resolution_zum_freizeitangeln_noerdlich_von_fehmarn_keine_weiteren_einschraenkungen_fuer_das_hochsee_angeln_an_den_ostholsteinischen_kuesten-1/